2018 feiert das Fotostudio Augustusburg sein 80jähriges Bestehen

Die Ersterwähnung des Hauses Augustusburg, Marienberger Straße 16, ist unter seinem damaligen Besitzer Carl Friedrich Thal mit dem Jahr 1781 urkundlich belegt. Es ist jedoch anzunehmen, dass dies bereits Jahre früher bestanden hat, so dass sein Alter auf mindestens 250 Jahre oder mehr geschätzt werden kann.

1938

erwarb der Zschopauer Fotografensohn Hans Zierold das Grundstück, in dem sich bis dahin eine Zigarrenmanufaktur befand. Darin gründete er ein Foto-Atelier mit der Firmierung Foto Zierold. Ein Provisorium auf der anderen Straßenseite mit überaus schlechten Arbeitsbedingungen hatte damit ausgedient. Das Haus wurde unter ihm mit zwei Anbauten versehen. Damit konnten sowohl zusätzlicher Wohnraum, wie auch Laborräume, ein Laden und ein großes Atelier geschaffen werden.
Die dazu nötige finanzielle Basis wurde zum großen Teil durch Erlöse von Gruppenbildern garantiert, die regelmäßig von den Teilnehmern der in den Gemäuern der Augustusburg durch die Nazis eingerichteten Gauführerschule gemacht werden mussten. Immerhin wurden dort bis gegen Ende der 1930er Jahre 10.813 Beamte nationalsozialistisch geschult!

1964

übernahm Herr Christian Weber, der sich bereits in seiner bisherigen Position als wissenschaftlicher Fotograf einen Namen gemacht hatte, und von A. E. Heckmann, einem der bedeutendsten sächsischen Fotografen und Reichssieger der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner ausgebildet wurde, den Betrieb.

Die Firmenbezeichnung lautete Foto Weber.

Während in den ersten Jahren vorwiegend Porträt- und Familienaufnahmen den Schwerpunkt der Arbeit bildeten, verlagerte er sich alsbald, auch der Nähe des Schlosses geschuldet, auf Hochzeitsaufnahmen. Besonders durch die Einrichtung eines eigenen Colorlabors suchten viele Hochzeitspaare von außerhalb, vor allem dem Chemnitzer Raum, das Studio auf, um das Ereignis für immer für die Nachwelt zu erhalten. Es kam zu solch skurrilen Situationen, dass sich mitunter die frisch verheirateten Paare einander ablösten. Ohne einen vorherigen Eintrag in das Bestellbuch hatte man wenig Chancen für die bildliche Dokumentation des Festtages.

Rudi Gränitz aus Zschopau war durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Erhaltung und Restaurierung des teilweise doch recht verwahrlosten Schlosses zu dessen Direktor ernannt worden. Es schien zunächst eine Jahrhundertaufgabe zu sein, doch hatte sich Gränitz der Unterstützung höchster Stellen versichert und konnte mit einiger Zuversicht auf die 1972 anstehende 400-Jahrfeier blicken.
Bereits seit den 1960er Jahren hatte sich dadurch für die Firma Weber eine neue Quelle des fotografischen Schaffens aufgetan. Für die Dokumentation und zahlreiche Veröffentlichungen wurde ständig Bildmaterial benötigt. Ebenso entstand dadurch eine rege Zusammenarbeit mit den Museen von Karl-Marx-Stadt, insbesondere dem Museum für Naturkunde.

 

Seinen Plan zur Herausgabe von Bildpostkarten konnte Herr Weber von vornherein vergessen, obwohl die Nachfrage auch seitens des Schlosses groß war. Der volkseigene Verlag "Bild und Heimat" in Reichenbach galt damals als nahezu alleiniger Herausgeber von Postkarten. Die zuständigen Stellen der DDR hatten panische Angst vor allen nicht zu kontrollierenden Druckerzeugnissen. Selbst die Hochzeitsbilder mussten die verliehene Zulassung-Nr. F/III/10/7 tragen. Ein Weglassen hätte eventuelle drastische Folgen nach sich gezogen. Neben der Gewerbeerlaubnis durch den Rat der Stadt und der Handwerkskammer mussten deshalb die Genehmigungen gleichlaufend von der Abteilung Inneres beim Rat des Kreises und der Kreisbehörde der Deutschen Volkspolizei ergänzt werden.

Es kam die politische Wende. Deutschland wurde wieder eins und alle bisherigen Gegebenheiten des Betriebes auf den Kopf gestellt. Dabei verstrichen die ersten Monate des Jahres 1990 ohne merkliche Veränderungen im Betriebsablauf. Die Grenzen zur Bundesrepublik waren zwar jetzt offen, doch gab es noch immer zwei Staaten und zwei Währungen.

1990

Am 1. Juli 1990 schlug die Marktwirtschaft erbarmungslos zu. Die ersehnte D-Mark wurde auch in Ostdeutschland eingeführt. Die Vorstellung, dass der Betrieb, speziell auch im Hinblick auf die Hochzeitsfotografie, wie bisher weiterlief, erwies sich als blauäugig. Plötzlich, als Besitzer "guten Geldes" gab es für die Leute andere Ideale, als zum Fotografen zu laufen. Reisen und ein neues Auto standen ganz vorn auf der Prioritätenliste. Zudem war die gesamte und mühsam aufgebaute Betriebseinrichtung keinen Pfifferling mehr wert. Die der Mangel- und Planwirtschaft geschuldete bisherige Materialhortung (Filme, Chemikalien, Papiere mussten 1-2 Jahre im Voraus geplant, damals "bilanziert" werden) erwies sich als Bumerang. Große Mengen davon waren plötzlich nicht mehr brauchbar und wurden entsorgt. Vertreter aller möglichen Firmen gaben sich die Klinke in die Hand. Sogenannte "Finisher" tauchten auf, die Blechkästen am Haus befestigten und für die Fotografen über Nacht die eingeworfenen Filme verarbeiteten. Es war eine völlig andere Zeit angebrochen, und nahezu der gesamte Gerätepark überaltert.
Alles konnte nun gekauft werden, was bisher nur auf Messen (z.B. der Intercamera in Prag) westliche Aussteller anboten. Vieles davon wurde nunmehr auch nach und nach angeschafft - die Hersteller in Westdeutschland klopften sich auf die Schenkel!

Es gelang auch an lukrative Aufträge zu kommen. Fotoreportagen, u.a. mit dem damaligen Außenminister Hans Dietrich Genscher und Sachsens Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf verbesserten die Umsatzzahlen.

 

Neu entstandene Handwerks- und Industriebetriebe benötigten dringend Werbematerial. So zählten fortan die erzgebirgische Holz- und Spielwarenindustrie, Bauplanungsfirmen, Hotels, Gaststätten usw. zum Kundenkreis.

 

Bald schon machte sich eine, seit längerem, bereits in der damaligen Bundesrepublik sichtbare Tendenz, auch im Osten breit, - die in Neudeutsch als "on location" bezeichnete Verlagerung der Atelierfotografie in die freie Natur. Schlösser, Parks und Burgen, - damit kam verstärkt die Augustusburg in den Fokus des Interesses und dem fotografischen Wirken natürlich sehr entgegen. Darüber hinaus wurden die unweit gelegenen Burgen Wolkenstein, Scharfenstein sowie das Schloss Lichterwalde zu Orten des Geschehens. Schloss Augustusburg, dessen Säle die Museen sowie das Außengelände boten dem Lichtbildner ungezählte Motive. Das Ateliergeschehen mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten trat fortan in den Hintergrund.

 

Mit der Wende wurde auch ein bisher nicht erfüllbarer Traum Wirklichkeit. Herr Weber gründete einen Postkarten- und Kalenderverlag. Die Nachfrage nach fotografisch anspruchsvollen Bildpostkarten war groß. Darüber hinaus wurde die Edition eines Augustusburg-Kalenders, dem weitere Ausgaben folgen konnten, ein voller Erfolg.

 

Das Erreichen des Rentenalters erforderte nunmehr die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den Betrieb!

2001

übernahm Fotografenmeisterin Doreen Obst aus Leipzig das traditionsreiche Studio. Schwerpunkt war für sie die Porträt- und Hochzeitsfotografie.

 

Die Firmenbezeichnung lautete nun Fotowerkstatt Augustusburg.

 

Schon bald verlagerte sie aus beruflichen und privaten Gründen ihren Wohnsitz nach Berlin.

2010

wurde Fotografin Dana Hietschold-Tornack ihre Nachfolgerin und firmierte weiterhin unter Fotowerkstatt Augustusburg.

 

Ihr Aufgabenbereich umfasste die Baby-, Familien- und Hochzeitsfotografie. Zusätzlich gehörten Reproduktionen sowie der Verkauf von Bilderrahmen und Postkarten zu ihrem Angebot.

 

Nach ihrer Hochzeit und der Geburt ihres Sohnes suchte Frau Hietschold-Tornack einen Nachfolger für die Geschäftsübernahme, da sie aus privaten Gründen zurück in ihre Heimat nach Sachsen-Anhalt wollte.

2013

übernahm Fotograf Ingo Steinert das Fotostudio. Auch er firmiert unter Fotowerkstatt Augustusburg.

 

Der Fotograf, Reprofachmann, Retuscheur, Kaufmann und Autodidakt möchte neuen Wind in die alten Gemäuer bringen. Engagiert, mit viel Mut, Einsatz und Innovationsfreude bietet er zahlreiche fotografische Dienstleistungen an, und das getreu seinem Motto:
"Geht nicht, gibt's nicht!"


FOTOWERKSTATT AUGUSTUSBURG
Inh. Ingo Steinert Fotograf

Marienberger Straße 16
09573 Augustusburg

ÖFFNUNGSZEITEN
Montag / Dienstag / Donnerstag / Freitag
von 9:00 - 13:00 Uhr & 14:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch / Samstag nach Vereinbarung